... Lurch des Jahres 2007

Die Knoblauchkröte


Die Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) ist ein wenig bekannter Froschlurch und der einzige heimische Vertreter der Schaufelkröten. Dank ihrer scharfkantigen, verhornten Auswüchse an ihren Fußsohlen gelingt es ihr, sich blitzschnell in lockeren Boden einzugraben. Den namensgebenden Knoblauchgeruch gibt die Kröte lediglich in starken Stresssituationen ab.

2007 wurde ihr der Titel „Lurch des Jahres“ verliehen. Dieser sollte unter anderem auf ihre Gefährdung aufmerksam machen, denn sie ist in ihrem Bestand in weiten Teilen Deutschland bedroht und im Saarland sogar ausgestorben.

Abgesehen von der Laichzeit ist die Knoblauchkröte auf Offenland mit lockeren sandig bis sandig-lehmigen Boden angewiesen. Dort gräbt sie sich tagsüber zwischen 10 und 60 cm tief ein. Als Laichbiotope dienen kleine bis mittelgroße Stillgewässer, wobei Teiche mit  mindestens 30 cm Wassertiefe bevorzugt aufgesucht werden. In der Regel wandern die Tiere erst nach den typischen Frühlaichern, wie dem Grasfrosch und der Erdkröte, ab Ende März  in regnerischen Nächten zu ihren Laichgewässern um sich fortzupflanzen. Die Paarungsrufe der Lurche sind wegen fehlender Schallblase nur sehr leise und werden zudem meist nur Unterwasser abgegeben.

Die etwa 40 bis 70 cm langen, sehr dicken Laichschnüre enthalten 1200 bis 3400 braunschwarze Eier und werden spiralförmig um Pflanzenstängel gewickelt. Nach vier bis 10 Tagen schlüpfen die Kaulquappen. Diese können sehr groß werden, ausnahmsweise sogar über 20 cm Länge. Bis zur Umwandlung zum fertigen Lurch brauchen sie je nach Witterung mehrere Monate. Die Geschlechtsreife setzt nach etwa einem Jahr ein, allerdings pflanzen sich die meisten der jungen Kröten erst im zweiten Lebensjahr oder später fort. Die Knoblauchkröte kann bis zu 10 Jahre alt werden.

Steckbrief

  • Ordnung: Froschlurche (Anura)
  • Lebensraum: Heiden, Steppen und landwirtschaftlich genutzte Flächen mit leichten, sandigen Böden
  • Größe Männchen: maximal 6,5 cm
  • Größe Weibchen: maximal 8 cm
  • Laichzeit: Bei Eintritt frostfreier Nächte (ab ca. Ende März)
  • Laich: dicke, spiralförmig um Pflanzenstängel gewickelt Schnüre
  • Anzahl der Eier: 1200 – 3400 Eier
  • Entwicklungsphase: 4 bis 10 Tage
  • Nahrung: Käfer, Grillen, Heuschrecken, Raupen, Asseln, Schnecken, Regenwürmer
  • Natürliche Feinde: erwachsene Tiere werden von Eulen, Reiher, Iltis und Ringelnatter erbeutet. Die Kaulquappen haben viele Feinde.

In Deutschland besiedelt die Knoblauchkröte vornehmlich die nördlichen und östlichen Bundesländer sowie das Rheintal. Leider erloschen die letzten im Saarland bekannte Vorkommen an der Mosel in der Mitte der 1970er Jahre. Insgesamt wird der Erhaltungszustand der Art als ungünstig-schlecht angesehen, denn die wenigen noch erhalten gebliebenen Vorkommen sind meistens individuenschwach und rückläufig.

Mit Hilfe des Wiederansiedlungsprojektes werden Nachzuchten aus kontrollierten Bedingungen in bereits verwaisten Teilbereichen ausgesetzt, um den Bestand wieder aufzubauen. Das langfristige Ziel dabei ist, geeignete Biotope des Bliestals wieder dauerhaft zu besiedeln und eventuell eine Vernetzung zu dem Wiederansiedlungsbereich in der Westpfälzer Moorniederung zwischen Homburg und Kaiserslautern zu ermöglichen.

Projektvorbereitung

Für das 2019 startende Projekt wurden zunächst verschiedene Lebensräume auf Habitatqualität und Eignung untersucht. Hierzu wurden Faktoren wie Nahrungsgrundlage, Prädationsdruck, Konkurrenzdruck und nicht zuletzt die Biotopeigenschaften herangezogen.

Um hohe Verluste der Larven von bis zu 90% zu vermeiden, werden im Spätsommer ausschließlich bereits umgewandelte Jungtiere ausgesetzt.  Durchgeführt wird das Projekt unter der Leitung von Dr. Christoph Bernd über einen Zeitraum von mindestens 6 Jahren, in welchen fortlaufende Erfassungen und Untersuchungen im Aussetzungsbereich stattfinden.

Nachzuchten

Derzeit stammen die Nachzuchten aus dem Bestand eines renommierten Züchters. Der Aufbau eines zweiten Zuchtstammes mit Hilfe des Neunkircher Zoos ist bereits in Planung. Alle Ursprungstiere stammen aus dem Oberrheingraben und entsprechen somit der nächstgelegenen genetischen Linie.

Auswilderung

Um den Tieren optimale Startbedingungen zu bieten, erfolgen die Aussetzungen in Kernzonen, die den Habitatpräferenzen der Art entsprechen und alle erforderlichen Teilhabitate aufweisen.


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